Foto: Kinder in Loumbila

SCHULE FÜR LOUMBILA
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Jahresbericht des Vereins Schule für Loumbila 2022

 Nachdem wegen der Reisebeschränkungen im Vorjahr kein Besuch möglich war, reisten mein Sohn Georg und ich im Jänner wieder nach Loumbila. Wie immer auf eigene Kosten.

Bevor wir zu unserem eigentlichen Projektbericht kommen, lassen Sie mich bitte zunächst auf die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation in Burkina Faso eingehen, deren Auswirkungen wir auch in der Schule für Loumbila spüren.

Unsere Schriftführerin Inge Ellinger teilt dazu auszugsweise nachfolgenden Artikel (5. April 2022, 18:22 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, AP, AFP):

‚Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz warnt vor einer Hungerkrise immensen Ausmaßes in Afrika.

Demnach leidet bereits mehr als jeder vierte Mensch auf dem Kontinent unter alarmierendem Hunger. Zudem werde die Zahl der Hungernden in den kommenden Monaten weiter zunehmen, heißt es. Diese Entwicklung bleibe angesichts des Ukraine-Kriegs und anderer Krisen aber weitgehend unbemerkt. Die Hungerkrise betrifft den Angaben zufolge weite Teile des Kontinents bis hin zum dürregeplagten Burkina Faso im Westen. Besonders Westafrika steht nach Angaben elf internationaler Hilfsorganisationen vor der schlimmsten Nahrungsmittelkrise seit zehn Jahren. Die Zahl der Menschen in der Region, die dringend auf Lebensmittelhilfen angewiesen sind, hat sich durch interne Konflikte, Dürren, Überschwemmungen und den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie seit 2015 fast vervierfacht. Statt sieben seien mittlerweile 27 Millionen Menschen davon betroffen. Bis Juni könne diese Zahl auf 38 Millionen Menschen ansteigen.

Die Getreideproduktion in Teilen der Sahel ist gegenüber dem Vorjahr um rund ein Drittel gesunken, die Lebensmittelpreise in Westafrika um 30 Prozent gestiegen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten in diesem Jahr 6,3 Millionen Kinder unter fünf Jahren in Westafrika akut unterernährt sein. Das Rote Kreuz befürchtet zudem, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine die ohnehin schwierige Situation in Afrika weiter verschlimmern könnte. Der Krieg habe bereits zu steigenden Lebensmittel- und Treibstoffpreisen und zu Unterbrechungen der Lieferketten beigetragen und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie verstärkt.‘ 

 

Burkina Faso war bis vor einigen wenigen Jahren ein friedliches Land. Die bewaffneten Überfälle aus Mali und Niger reichen nun weit bis in den Osten Burkina Fasos und beunruhigen aktuell schon das ganze Land. Nach Berichten unseres Projektleiters Dr. Issa Ouedraogo mussten in diesen nördlichen Regionen aus Sicherheitsgründen bereits tausende Schulen geschlossen werden, Lehrer flohen in die größeren Städte und mehr als 2 Millionen Menschen waren gezwungen, ihre Heimatdörfer zu verlassen. Da mehr als 80% der Bevölkerung von der Landwirtschaft und der Viehzucht lebten, führte die Flucht zu einer noch größeren Armut. Auf den Straßen von Ouagadougou sieht man jetzt überall bettelnde Flüchtlinge. Im Jänner kam es im Zuge eines Putsches zu einer Regierungsübernahme durch das Militär, von der sich die zivile Bevölkerung eine Verbesserung der Sicherheitslage erwartet hat, was bis jetzt aber leider nicht eingetreten ist. Keiner weiß, wie die Regierung das Problem lösen wird. 

 

 

Unser Team in der Tembo-Schule in Loumbila muss derzeit mit einigen Herausforderungen zurechtkommen.

Im Rahmen unseres Arbeitsbesuches fanden ausgiebige Gespräche mit Lehrern, dem Direktor, dem Landesschulinspektor und auch mit zahlreichen Eltern statt, in denen diese Probleme behandelt wurden. Die oben genannten Sicherheitsprobleme wirken sich auch direkt auf die Schule aus. Wir haben zahlreiche Kinder aus den Krisengebieten im Norden des Landes als neue Schüler und Schülerinnen aufgenommen. Gleichzeitig ziehen die Bauern mit ihren Familien in den fruchtbareren Süden des Landes und diese Kinder verlassen die Tembo-Schule, um ihren Bildungsweg am neuen Wohnort weiter zu verfolgen. Dadurch haben manche unserer Paten innerhalb kurzer Zeit schon das dritte Patenkind und wir freuen uns, dass Sie Verständnis für diese schwierige Situation haben, für die das Team unserer Schule ja nichts kann.

Eine weitere Herausforderung ist technischer Natur. Der kleinere unserer beiden Brunnen ist versiegt. Der große Brunnen hat zwar ausreichend Wasser, die Schulleitung hat aber dennoch entschieden, die schuleigene Gärtnerei zu schließen, da täglich bis zu 300 Menschen auf dem Schulgelände mit Wasser versorgt werden müssen und es zu keinen Engpässen kommen darf. Wir hoffen, dass sich die Situation in den nächsten Monaten wieder entspannt, denn ein weiterer Brunnen ist sehr teuer. Um die Wasserversorgung unserer Schulkinder zu gewährleisten investiert die Schulleitung in die technische Optimierung des bestehenden Brunnens, wie etwa die Einbindung eines zusätzlichen Vorratstanks.

Große Nachfrage besteht für unsere Schneiderinnenschule und es können nicht alle Bewerberinnen aufgenommen werden. Es wurde eine zusätzliche Lehrerin eingestellt. Die Schule hat weiter Bedarf an fußbetriebenen Nähmaschinen, aber die Containertransporte sind im Moment weltweit so teuer, dass wir als Verein warten müssen, bis der Transport der aus Deutschland und Österreich gesammelten Nähmaschinen wieder erschwinglich wird. Wir sind daher bemüht, die benötigten Nähmaschinen im Lande zu kaufen und dafür die nötigen Mittel aufzubringen. 

 

Unser Projekt, Alphabetisierungskurse für die Eltern unserer Schulkinder möglich zu machen schreitet voran. Der Landesschulinspektor hat in den Gesprächen betont, dass die Tembo Schule in seinem Zuständigkeitsbereich die erste Grundschule sei, die an einem solchen Bildungsangebot für die Eltern arbeite. Seit unserem letzten Besuch wurde ein Klassenzimmer mit elektrischer Beleuchtung, betrieben über eine kleine Photovoltaikanlage, ausgestattet. Da der Unterricht am Abend stattfinden muss, weil sowohl Lehrer als auch Eltern tagsüber andere Verpflichtungen haben, ist dieses Beleuchtungssystem für das Projekt Elternbildung ein großer Fortschritt. Zahlreiche Eltern kamen zu einem Planungsgespräch in dem versucht wurde, die Probleme die es den Eltern schwer machen an diesem Abendunterricht teilzunehmen, zu lösen. Für die Mütter stand die Sicherheitsfrage im Zentrum, da sie nach der Abendschule in völliger Dunkelheit den weiten Schulweg ihrer Kinder zurücklegen müssen.

Wir konnten zahlreiche Lösungen für dieses Problem finden, um den Müttern die Teilnahme zu ermöglichen. Als Hauptmotivation Lesen und Schreiben zu lernen gaben die Eltern mir gegenüber an, dass sie dann ihre Kinder besser auf deren Bildungsweg unterstützen können, als ihnen das jetzt möglich ist.

Der Obmann des Elternvereins betonte, dass die Lebensumstände sich seit der Jugend der Eltern stark verändert hätten und Bildung für die Jugend immer wichtiger würde. Für mich war es eine Freude zu sehen, dass seit der Eröffnung der Tembo Schule 2011 ein engagierter Elternverein entstanden ist, der die Zusammenarbeit mit den Familien unserer Schulkinder verbessert und auch nach Möglichkeit Lebensmittel für die Schule beiträgt. 

 

Im Rahmen unseres Besuches in der Schule kamen wir mit der Schulleitung überein, dass bis zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung und möglicherweise Errichtung eines weiteren Brunnens Pläne zur Erweiterung des Bildungsangebotes, wie einer berufsbildenden Schule für Solartechnik warten müssen. Wir hoffen, in den kommenden Jahren die bereits sehr detaillierten Pläne dafür in die Realität umsetzen zu können, gehen dabei aber sehr behutsam vor, um das bisher Aufgebaute nicht zu gefährden. 

 

 

Wir wurden bei unserem diesjährigen Besuch in der Schule von Frau Mag. Sabine Nikolay, einer Journalistin des ORF, auf unserer Reise nach Burkina Faso begleitet. Sie gewährt uns mit ihrem Gastbeitrag Einblick in das Leben dreier  Familien aus Loumbila:

 

Im Jänner 2022 hatte ich erstmals die Möglichkeit, im Rahmen einer journalistischen Recherche Burkina Faso und auch die Tembo-Schule in Loumbila zu besuchen. Ganz besonders haben mich die Lehrer der Grundschule und die Lehrerinnen der Nähschule mit ihrem Engagement beeindruckt.

Einer der Lehrer bot an, mir einige Familien vorzustellen, damit ich sehen könnte, wie die Kinder leben. 

 

Sie haben selbstgebaute Hütten, die mit Stroh gedeckt sind und keine Türen oder Fenster haben, der Boden ist aus gestampftem Lehm. Es gibt meist nur einen, manchmal zwei Räume. Der Vater der ersten Familie zeigte mir seinen „Luxus“: er schläft in einem winzigen Nebenraum auf einer Strohmatte. Sein ganzer Stolz ist ein kleines Radio. Alle anderen Familienmitglieder, darunter auch die Kinder, die die Tembo-Schule besuchen, schlafen im vorderen Raum – ebenfalls auf dem Boden. Drei junge Männer haben sich in der Winterküche ein Bettgestell aus Holzresten gezimmert. Dank der Schule hat die ganze Familie Moskitonetze, um eine Ansteckung mit Malaria zu verhindern!

Dann ging es weiter zu einer Witwe mit drei Kindern. Auch sie leben in einer Hütte ohne Strom. Der nächste Brunnen ist 20 Minuten zu Fuß entfernt. In der Hütte stehen drei Säcke Mais: die Ernte der letzten Saison, sie muss bis zur nächsten Ernte reichen. Die Mutter kann ihren Kindern nur eine Mahlzeit am Tag bieten: Maisbrei. Dafür wird der Mais mit der Hand gerieben, auf einer Plastikplane im Hof getrocknet und anschließend auf offenem Feuer mit Wasser gekocht. Die Familie hatte Hühner und Kaninchen, die alle an einem Virus gestorben sind. Derzeit laufen zwei Küken über den Hof – sie wurden ihr von einer Nachbarin geschenkt.

Die beiden jüngeren Kinder besuchen die Tembo-Schule. Der älteste Sohn hat vor einem Jahr die Tembo- Schule erfolgreich abgeschlossen und einen Platz auf dem Collège bekommen. Der weite Schulweg stellt für ihn eine große Herausforderung dar. Schon ein Fahrrad würde das Leben der Familie deutlich erleichtern. Die kleinen Kinder gehen jeden Morgen die 5 Kilometer zu Fuß in die Schule und am Nachmittag zurück nach Hause.

Ganz anders die Situation im Zuhause eines weiteren Schülers der Tembo-Schule. Er lebt bei seinem älteren Bruder, der bereits verheiratet und Vater eines kleinen Mädchens ist. Die Großfamilie lebt auf einem gepflegten Hof, hält Ziegen und Hühner, bestellt ihre Felder und hat – ein besonderer Luxus – einen funktionierenden Brunnen direkt vor der Haustür. Die Mädchen und Frauen der Familie haben mit Weberei und Färberei von Wolle eine eigene kleine Firma aufgezogen und verdienen damit gutes Geld. Die Stoffe sind einzigartig, bunt und naturbelassen und ein typisch burkinisches Erzeugnis. Der Besuch bei dieser gut funktionierenden bäuerlichen Gemeinschaft macht Hoffnung für eine positive Entwicklung von Burkina Faso – auch hinsichtlich der Schulbildung, die den Kindern dieser Familie Dank Tembo in Loumbila garantiert ist.‘ 

 

 

Sechs Lehrerfamilien leben auf dem Schulgelände und täglich kommen 300 Schüler zum Unterricht. Unsere und Ihre finanzielle Unterstützung der Schüler ist in diesem Jahr wichtiger denn je, um den Kindern weiterhin ihr Essen garantieren und die Lehrerkosten abdecken zu können. Die hohen Lebensmittelpreise wirken sich auf die Ausgaben der Schule aus. Wir sind bemüht, mit unseren Mitteln und Spenden den derzeit laufenden Schulbetrieb sowohl in der Grundschule als auch in der neuen Nähschule so gut wie möglich aufrecht zu erhalten!

Ich hoffe, dass Sie alle gesund sind und auch weiterhin bleiben und wünsche Ihnen alles Gute! 


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